
RadNETZ Baden-Württemberg © ADFC BW
Koalitionsvertrag 2026–2031
In Zeiten steigender Spritpreise: ADFC vermisst Radverkehrsförderung als Teil der Lösung
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Baden-Württemberg bewertet den neuen Koalitionsvertrag von Grünen und CDU mit gemischten Gefühlen. Zwar enthält das Regierungsprogramm wichtige Anknüpfungspunkte für eine moderne und klimafreundliche Mobilitätspolitik für alle Menschen im Land, zentrale Forderungen des ADFC und Antworten auf die Mobilitätsprobleme der Menschen bleiben jedoch unverbindlich oder fehlen ganz.
„Baden-Württemberg kann Fahrradland werden – aber dafür reicht es nicht, den Radverkehr nur am Rand mitzudenken und auf konkrete Maßnahmen zu verzichten. Wer Klimaschutz, Lebensqualität und sichere Mobilität ernst meint, muss jetzt weiter konsequent in sichere Radinfrastruktur investieren“, erklärt der Landesvorsitzende des ADFC Baden-Württemberg Dr. Matthias Zimmermann.
Steigende Energiepreise, Straßen und Brücken in schlechtem Zustand, Staus und überlastete Straßen prägen aktuell den Alltag vieler Menschen in Baden-Württemberg. Für den ADFC Baden-Württemberg ist klar: Diese Probleme sind längst lösbar – wenn auch der Radverkehr konsequent gefördert wird. Der Koalitionsvertrag von Grünen und CDU behandelt den Radverkehr nur als Randthema. Dabei hat die bisherige grün-schwarze Regierung gezeigt, wie konsequente Radverkehrsförderung das Verkehrssystem insgesamt entlastet, Innenstädte und Ortsmitten lebenswerter und sicherer macht und dabei die kommunalen Kassen schont. „Radverkehrsförderung lohnt sich für alle Menschen im Land. Wenn mehr Bürgerinnen und Bürger aufs Rad umsteigen, dient das auch denen, die tatsächlich auf das Auto angewiesen sind.“, sagt Zimmermann.
Der ADFC begrüßt das klare Bekenntnis zur Klimaneutralität bis 2040 und zur nachhaltigen Mobilität für alle – einfach, barrierefrei und bezahlbar - sowie die Förderung sicherer Schulwege und die Stärkung von Angeboten von Freizeitaktivitäten mit dem Rad. Gleichzeitig warnt der Fahrradclub davor, dass der Radverkehr und insbesondere die Verkehrssicherheit im Vertrag gegenüber Wirtschafts- und Straßenbauinteressen deutlich in den Hintergrund geraten. Aus Sicht des ADFC fehlt ein klarer und verbindlicher Fahrplan für Vision Zero – also das Ziel, keine Verkehrstoten und Schwerverletzten mehr zu akzeptieren.
Positiv bewertet der ADFC:
- Das Festhalten am Klimaschutzziel 2040.
- Die grundsätzliche Anerkennung nachhaltiger Mobilität als Zukunftsaufgabe.
- Die angekündigte Fortführung des Programms „Movers – Aktiv zur Schule“ für sichere Schulwege sowie die weitere Umsetzung des Bedarfsplans für Radwege und der geplanten Radschnellwege.
- Das Ziel schnellerer Planungs- und Genehmigungsverfahren.
- Die angekündigte Digitalisierung von Verwaltung und Infrastrukturplanung.
Kritisch sieht der ADFC:
- Keine konkreten Zielmarken für den Anteil des Radverkehrs.
- Den fehlenden verbindlichen Ausbau eines landesweiten Radwegenetzes – über das bisher geplante hinaus.
- Fehlende verbindliche Maßnahmen zur Erreichung der Vision Zero, wie Maßnahmen für sichere Kreuzungen, geschützte Radwege und Verkehrsberuhigung.
- Keine ausreichend gesicherte Finanzierungsperspektive für Kommunen.
- Die starke Priorisierung von Wirtschaftswachstum und Autoverkehr gegenüber der Mobilitätswende.
„Der Koalitionsvertrag bleibt beim Radverkehr zu vage. Gerade jetzt braucht Baden-Württemberg einen echten Umsetzungsschub – mit verbindlichen Ausbauzielen, mehr Personal vor Ort und dauerhaft gesicherten Investitionen“, so der Landesvorsitzende weiter.
Aus Sicht des ADFC entscheidet sich der Erfolg der neuen Landesregierung daran, ob sichere und alltagstaugliche Radmobilität tatsächlich Priorität erhält. Besonders die Verkehrssicherheit müsse künftig deutlich stärker im Mittelpunkt stehen. Noch immer verunglücken in Baden-Württemberg jedes Jahr tausende Menschen auf dem Fahrrad – viele davon an Kreuzungen und Querungen oder auf unzureichender Infrastruktur. Der Verband fordert deshalb ein Landesprogramm für sichere Radinfrastruktur, schnellere Umsetzung von Radschnellwegen und klare Qualitätsstandards.
Die wichtigsten Forderungen des ADFC an die neue Landesregierung:
- Ein flächendeckendes und sicheres RadNETZ für Alltag und Pendelverkehr.
- Verbindliche Qualitätsstandards für Radwege und Kreuzungen.
- Mehr Personal und Finanzierung für Kommunen und Regierungspräsidien.
- Konsequente Umsetzung der Vision Zero mit sicheren Kreuzungen, Tempo-Reduktion und geschützten Radverkehrsanlagen.
- Vorrang für klimafreundliche Mobilität bei Landesinvestitionen.
- Bessere Verknüpfung von Fahrrad und ÖPNV.
- Verlässliche und langfristige Förderprogramme für den Radverkehr.
