Einkaufen mit dem Rad © ADFC/Katz

Radverkehr belebt das Geschäft

 

Die Diskussion um autofreie Innenstädte nimmt in Baden-Württemberg neue Fahrt auf. Der ADFC unterstützt die Forderungen und plädiert für einen Ausbau der Fahrradinfrastruktur.

 

Eine autofreie Stadt mit sauberer Luft, wenig Lärm und viel Platz für Begegnung: Wovon viele Menschen träumen, schürt bei anderen Existenzängste. In Baden-Württemberg wagen derzeit gleich mehrere Städte den Vorstoß, zumindest ihr Zentrum autofrei zu machen. Stuttgarts OB Fritz Kuhn kündigte jüngst an, Autos aus dem Bereich innerhalb des City-Rings noch vor 2030 Schritt für Schritt zu verbannen. In Karlsruhe und Konstanz sind bereits mehrere Straßen im Stadtzentrum komplett autofrei. Der ADFC Baden-Württemberg unterstützt die Planungen und fordert gleichzeitig eine Verbesserung der städtischen Fahrradinfrastruktur.

Autofrei heißt nicht Leerstand

„Radfahrförderung bedeutet gleichzeitig Strukturförderung“, sagt Landesvorsitzende Gudrun Zühlke. Der ADFC widerspricht damit der Befürchtung des Handels, für den autofreie Innenstädte den Niedergang des Einzelhandels bedeuten. „Im Gegenteil“, sagt sie. Wie Studien aus verschiedenen europäischen Ländern zeigen, sind Radfahrer*innen sogar  treuere Kunden als die motorisierte Kundschaft. Sie geben zwar pro Einkauf weniger Geld aus, kommen dafür aber gut doppelt so häufig und bringen daher pro Person mehr Umsatz. In Österreich kaufen etwa 80 Prozent der Fahrradnutzer mehrmals wöchentlich in den lokalen Geschäften ein, bei den PKW-Nutzern trifft dies nur auf 68 Prozent zu. Studien aus Madrid und Toronto zeigen, dass in autofreien innerstädtischen Gebieten die Verkaufszahlen und Umsätze um bis zu 9,5 Prozent steigen.
 „Vor allem für den Einzelhandel, der unter der Konkurrenz auf der grünen Wiese leidet, ist das interessant, denn Radfahrende bleiben in der Stadt und fahren nicht ins Einkaufszentrum raus“, erklärt Zühlke. Außerdem kaufen Radfahrer*innen meist in kurzer Distanz zum Wohnort ein und tragen so dazu bei, den lokalen Einzelhandel anzukurbeln.

Wichtig: eine fahrradfreundliche Infrastruktur

„Für einige Menschen ist es sicherlich eine Umstellung, mit dem Rad einzukaufen, aber wenn man es genau betrachtet, sind die wenigsten Einkäufe in der Innenstadt so groß, dass man dafür einen Kofferraum bräuchte“, so Zühlke. Voraussetzung für ein entspanntes Einkaufen sei jedoch immer eine gute Infrastruktur aus Radwegen und Abstellmöglichkeiten. Und auch darin liegt ökonomisches Potenzial: Fahrräder benötigen einen Bruchteil der Parkfläche von Autos. Bei einer in Bern durchgeführten Verbraucherbefragung wurde das Verhältnis von Kundenrentabilität (Wert der Einkäufe) und den Kosten für die Kundenparkfläche errechnet: Radfahrer brachten den Einzelhändlern 7.500 Euro pro Quadratmeter, Autofahrer nur 6.625 Euro ein. „Investitionen in eine fahrradfreundliche Infrastruktur bringen aus wirtschaftlichem Aspekt also deutlich mehr als gegenseitiges Preisdumping der Geschäfte“, hält die Landesvorsitzende fest.

Lastenräder als „Einkaufswagen“

Damit auch größere Einkaufe nicht zum Problem werden, spricht sich der ADFC zudem für eine stärkere Lastenradförderung durch die Kommunen aus. Das Stuttgarter Konzept (www.stuttgart.de/lastenrad) gilt für Zühlke als vorbildlich, ebenso wie freie Lastenradverleihe oder die Initiative einiger Händler, die ihren Kunden kostenlos Lastenräder verleihen, um die gekaufte Ware nach Hause zu transportieren. „Das ist zum Beispiel ein guter Ansatz für Baumärkte oder Getränkehändler“, so Zühlke. Sie hält fest: „Mehr Radverkehr ist nicht nur gut für die Gesundheit und erhöht die Lebensqualität in den Städten, sondern stärkt auch den Einzelhandel.“ Außerdem ist das Fahrrad zum Symbol für eine nachhaltige Lebensweise geworden, was in Zeiten des Klimawandels von der Kundschaft immer mehr gefordert wird.

 


https://bw.adfc.de/pressemitteilung/radverkehr-belebt-das-geschaeft

Häufige Fragen von Alltagsfahrern

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 190.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

    Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür – auch Dank Ihrer Mitgliedschaft – nicht nur Einfluß auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrern ein. Für Sie hat die ADFC Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Sie können egal, wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die AFDC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Information rund um alles, was Sie als Radfahrer politisch, technisch und im Alltag bewegt. Zählen können ADFC-Mitglieder außerdem auf besonders vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern ausgehandelt haben. Sie sind noch kein Mitglied?

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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  • Was ist der Unterschied zwischen Pedelecs und E-Bikes?

    Das Angebot an Elektrofahrrädern teilt sich in unterschiedliche Kategorien auf: Es gibt Pedelecs, schnelle Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs sind Fahrräder, die durch einen Elektromotor bis 25 km/h unterstützt werden, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h regelt der Motor runter. Das schnelle Pedelec unterstützt Fahrende beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Damit gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und für die Benutzung sind ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM sowie das Tragen eines Helms vorgeschrieben. Ein E-Bike hingegen ist ein Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig. E-Bikes spielen am Markt keine große Rolle. Dennoch wird der Begriff E-Bike oft benutzt, obwohl eigentlich Pedelecs gemeint sind – rein rechtlich gibt es große Unterschiede zwischen Pedelecs und E-Bikes.

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  • Gibt es vom ADFC empfohlene Radtouren für meine Reiseplanung?

    Wir können die Frage eindeutig bejahen, wobei wir Ihnen die Auswahl dennoch nicht leicht machen: Der ADFC-Radurlaubsplaner „Deutschland per Rad entdecken“ stellt Ihnen mehr als 165 ausgewählte Radrouten in Deutschland vor. Zusätzlich vergibt der ADFC Sterne für Radrouten. Ähnlich wie bei Hotels sind bis zu fünf Sterne für eine ausgezeichnete Qualität möglich. Durch die Sterne erkennen Sie auf einen Blick mit welcher Güte Sie bei den ADFC-Qualitätsradrouten rechnen können.

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