
Parlamentarischer Abend "Barrierefrei Radfahren" © ADFC BW
Parlamentarischer Abend des ADFC: Barrierefrei Radfahren hilft allen
Am 7. Oktober 2026 lud der Landesverband Politiker*innen und Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen zum Austausch. Darüber, dass barrierefreies Radfahren allen Menschen zugute kommt, war man sich einig.
„Das Projekt, bei dem der ADFC bislang am meisten gelernt hat.“ – so beschreibt Landesgeschäftsführerin Kathleen Lumma das Projekt „Barrierefrei mit dem Rad unterwegs“.
Wie können Menschen mit Behinderungen selbstbestimmt und barrierefrei Rad fahren? Beim gut besuchten Parlamentarischen Abend des ADFC Baden-Württemberg am 7. Oktober 2026 im Haus der Katholischen Kirche in Stuttgart stand diese Frage im Mittelpunkt. Deutlich wurde: Von barrierefreiem Radverkehr profitieren alle.
Rund zehn Prozent der Bevölkerung haben eine Schwerbehinderung. 32 Prozent aller Menschen mit Behinderungen nutzen häufig ein Fahrrad. Doch wie gut eignen sich Baden-Württembergs Radwege für Menschen mit Behinderungen und für diejenigen, die Spezialfahrräder nutzen? Welche Barrieren begegnen ihnen im Alltag? Passt ein Zweisitzer-Dreirad in die S-Bahn? Und welche Bordsteinhöhe wird für ein Rollfiets zum Hindernis? Um diese und weitere Fragen ging es beim Parlamentarischen Abend des ADFC unter dem Titel „Barrierefrei Radfahren“.
71,4 Prozent möchten häufiger Rad fahren
Nach Grußworten des ADFC-Landesvorsitzenden Matthias Zimmermann, Schirmherrin Simone Fischer (MdB) und Isabell Rathgeb (CDU) stellten Max Himberger (ADFC Baden-Württemberg) und Claudia Hille (Hochschule Karlsruhe) erste Ergebnisse des Projekts vor.
Mehr als 300 Menschen mit Behinderungen beteiligten sich an der Befragung und berichteten von ihren Erfahrungen. 90,5 Prozent der Teilnehmenden waren zum Zeitpunkt der Befragung bereits mit einem Zweirad, Dreirad, Handbike, Tandem oder Rollfiets – einer Kombination aus Rollstuhl und Fahrrad – unterwegs. Dennoch gaben fast drei Viertel der Befragten an, gerne häufiger Fahrrad fahren zu wollen.
Mit Beobachtungsfahrten und Interviews untersucht das Projektteam nun, auf welche konkreten Hindernisse Menschen mit Behinderungen im Radverkehr stoßen. Ziel ist es, daraus Empfehlungen für die kommunale Verkehrsplanung und eine barrierefreie Informationsvermittlung abzuleiten.
Radfahren ermöglicht soziale Teilhabe
Auf dem Podium diskutierten Anna Hussinger (AGFK Baden-Württemberg), Nora Welsch (Landesbehindertenbeauftragte), Jutta Pagel-Steidl (Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung), Kathleen Lumma (ADFC Baden-Württemberg) und Jochen Eckart (Hochschule Karlsruhe). Aus den Perspektiven von Betroffenen, Kommunen, Verbänden und Wissenschaft erörterten sie, was Barrierefreiheit in der Praxis bedeutet.
Dabei wurde deutlich: Barrierefreies Radfahren ist kein Nischenthema. Es ermöglicht Menschen mit Behinderungen mehr Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe. Zugleich profitieren alle Radfahrenden von einer Infrastruktur, die unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigt und Hindernisse reduziert.
Barrierefreiheit nützt allen
Mit dem Projekt möchte der ADFC die Erfahrungen der Fahrrad-Community und der Behindertenverbände zusammenführen, um den Zugang zur Radinfrastruktur für alle Menschen zu verbessern. Dabei endet Barrierefreiheit nicht am Radweg: Auch barrierefrei gestaltete Veranstaltungen und verständliche Informationen, etwa in Leichter Sprache, gehören dazu.
Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium für Verkehr (BMV) aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans (NRVP).
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