
Dossier: Fakten statt Feindseligkeit - gute Argumente gegen Fahrradhass
Viele Menschen sind im Alltag auf Fahrrädern Fahrradhass ausgesetzt. Vor allem in sozialen Medien ist das Fahrrad auch von Hetze betroffen. Der ADFC hat dazu sachliche Gegenargumente.
Fahrradhass sowohl auf den Straßen als auch in den sozialen Medien ist Realität. Viele Radfahrende sind diesem jeden Tag ausgesetzt. AufFahrrädern sitzen Menschen, die einfach nur sicher zur Arbeit, zu Freund*innen oder zu ihren Familien kommen möchten. Sie wählen das Fahrrad als ihr alltägliches Verkehrsmittel. Die häufige Folge: Beschimpfungen, Drohbriefe und Hass im Netz und auf den Straßen.
Zwei Beispiele:
Am 30.1.2024 wurde der Fahrradaktivist Andreas Mandalka (Natenom) von einem Autofahrer überfahren. Zuvor war er mehrfach bedroht, angegriffen und belästigt worden, sowohl online als auch persönlich. Selbst seine Gedenkstelle war schon nach kurzer Zeit das Ziel von Vandalismus.
Auch der ADFC Baden-Württemberg erhält regelmäßig Nachrichten von besorgten Radfahrenden. Aber auch Drohbriefe, weil sich die Mitarbeitenden des Verbands für sichere Bedingungen für Radfahrende einsetzen.
Solche Vorfälle sind kein Einzelfall. In Deutschland und weltweit verschärft sich die politische Lage zunehmend. Gegensätzliche Meinungen führen häufiger zu persönlichen Konflikten, das politische Klima wird rauer, Fronten verhärten sich. Parteien, die ein autozentriertes System verteidigen, gewinnen mehr Zuspruch und verbreiten dabei oft fahrradfreindliche und wenig faktenbasierte Aussagen.
Mit diesem Dossier liefert der ADFC Baden-Württemberg Argumente und Hilfestellungen für alle, die im Alltag oder online auf Vorwürfe und Hass begegnen – bewusst klar formuliert, damit sie für alle praktisch anwendbar sind.
Themenbereiche:
- Fahrradsteuer
- Kennzeichenpflicht
- Verkehrsregeln
- Helmpflicht
- Radfahren im Winter
- Beleuchtung
- Geschlechtergerechte Sprache
Argumente gegen populistische Forderungen in Kurzform
Zu jedem Themenbereich folgt unten im Dossier ein ausführlicher Artikel mit Quellen und Belegen.
Die Straßen gehören denen, die Kfz-Steuern bezahlen?
Die Kosten fürs Autofahren übersteigen die Einnahmen durch Kfz-Steuern um ein Vielfaches. Fahrradfahren dagegen nutzt der Gesellschaft: Es spart Kosten im Gesundheitssektor, schont die Straßen und nimmt viel weniger Platz weg. Wer eine gerechte Besteuerung fordert, sollte also höhere höhere Kfz-Steuern fordern und keine Fahrradsteuern.
Eine Kennzeichenpflicht für Fahrräder?
Eine Kennzeichenpflicht ist mit großen bürokratischen Hürden verbunden und führt dazu, dass weniger Menschen aufs Rad steigen. Für E-Bikes, deren Motor schneller als 25km/h fahren kann, ist ein Kennzeichen außerdem schon verpflichtend. Für alle anderen Verkehrsteilnehmer*innen gilt – egal ob auf dem Skateboard, mit dem Rollator oder auf dem Fahrrad – gegenseitige Rücksichtnahme.
Radfahrer*innen verstoßen ständig gegen Verkehrsregeln?
Stimmt nicht: Radfahrer*innen sind nicht weniger gesetzestreu als Autofahrer*innen. Falschparken, Handy am Steuer oder überhöhte Geschwindigkeit auf vier Rädern wird aber oft als “normal” hingenommen und ist weniger sichtbar als auf einem Fahrrad. Die häufigsten Gesetzesbrüche von Radfahrenden (wie Fahren auf dem Gehweg oder auf einem Fußüberweg) werden übrigens oft dann begangen, wenn die Fahrradinfrastruktur unzureichend ist.
Radfahrer*innen sind selbst schuld, wenn sie keinen Helm tragen!
Ein Helm ist ein wichtiger Schutz vor bestimmten Folgen eines Fahrradunfalls. Er verhindert aber keine Unfälle. Infrastruktur und Rücksichtnahme verhindern Unfälle und hier setzt der ADFC an. Als Fahrradclub empfehlen wir gleichzeitig aber auch das Tragen eines Helms, da der Straßenverkehr in Deutschland leider (noch) nicht überall sicher ist.
Im Winter radelt sowieso niemand?
Auch im Winter ist das Fahrrad für viele Menschen das Verkehrsmittel der Wahl. Zurecht: Herz und Kreislauf werden damit in Schwung gebracht. Was es dafür braucht, sind gute Beleuchtung, geräumte Wege und die passende Kleidung. Und egal ob Fahrrad oder Auto: Glatteis ist für alle Verkehrsteilnehmer*innen eine Gefahr!
Radfahrer*innen fahren immer ohne Licht?
Es stimmt: Zu viele Radfahrende sind ohne Licht unterwegs. Das ist gefährlich und muss verhindert werden. Hauptursache von Unfällen ist das aber nur selten. Im Jahr 2019 wurden bei 1% der Unfälle mit Fahrradbeteiligung eine unzureichende Beleuchtung festgestellt.
Was hat geschlechtergerechte Sprache mit der Verkehrswende zu tun?
Geschlechtergerechte Sprache (z. B. Radfahrer*innen oder Radfahrende) trägt dazu bei, alle einzubeziehen. Der ADFC Baden-Württemberg steht für Vielfalt und Toleranz – auf dem Rad, in der Geschäftsstelle, bei Fahrsicherheitstrainingsrainings sowie in Orts- und Kreisverbänden. Wir glauben: Wenn sich Menschen von unseren Texten angesprochen fühlen, sind sie auch eher motiviert, das Fahrrad zu benutzen. Denn das ist für alle!
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